Nach einem erstmals veröffentlichten Bundesländerranking der Allianz pro Schiene auf Basis von Daten des Bundesinstituts für Bau, Stadt- und Raumforschung zur Erreichbarkeit des Öffentlichen Nahverkehrs ist Mecklenburg-Vorpommern Schlusslicht im Bundesländervergleich von allen Flächenstaaten

Demnach wohnen nur 74,6 % der Einwohner 600 Meter Luftlinie von der nächsten Haltestelle entfernt oder maximal 1.200 Meter vom nächsten Bahnhof mit jeweils mindestens 20 Fahrtmöglichkeiten am Tag. Zum Vergleich: In Schleswig-Holstein sind es 86,1 %.

Eckhardt Rehberg: „Das Länderranking sollte nach dem ADAC-Monitor, der im November 2018 veröffentlicht wurde, wonach sich 70 % der Einwohner M-Vs auf dem Lande bei den Verkehrsangeboten abgehängt fühlen, ein Warnschuss sein, endlich mehr für den Öffentlichen Personen- und Nahverkehr zu tun.

Mecklenburg-Vorpommerns Städte und Regionen wachsen, der Tourismus boomt. Das Land hält stattdessen mittlerweile über 211 Millionen Euro an Regionalisierungsmitteln als Reserve zurück (Sondervermögen SPNV M-V), die für den Schienenpersonennahverkehr bestimmt sind. Statt das Geld zu horten, sollte es an die Kommunen weitergegeben und investiert werden.

Neben den Regionalisierungsmitteln für den SPNV erhält Mecklenburg-Vorpommern vom Bund jährlich 35 Millionen Euro zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in den Gemeinden (sog. Entflechtungsmittel). Diese sind für den kommunalen Straßenbau und ÖPNV vorgesehen und sollten nach der politischen Intention erhöhend wirken. Insgesamt sind im Doppelhaushalt 2018/2019 jährlich 37 Millionen Euro veranschlagt, darunter sind allerdings 13 Millionen Euro europäische EFRE-Mittel. So versickern jährlich 11 Millionen Euro aus dem Bundehaushalt im Landeshaushalt, die für den kommunalen Straßenbau und den ÖPNV genutzt werden können.

In der Haushaltsrechnung des Landes Mecklenburg-Vorpommern für das Jahr 2017 kann man die mangelhafte Mittelbereitstellung für den ÖPNV ebenfalls nachvollziehen. Für den Aufgabenbereich ÖPNV ergibt sich zwischen veranschlagten und tatsächlich verausgabten Mitteln ein Defizit von rund 33 Millionen Euro.

Insgesamt ist dieser Befund beschämend und widerspricht auch der politischen Intention, gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen.“