Seit dem Jahr 2005 kommen Berufsschüler aus Ungarn zu betrieblichen Praktika nach Mecklenburg-Vorpommern. In diesem Sommer wird der tausendste Schüler erwartet, der in der Bäckerei „Rehberg“ in Rostock ein Praktikum absolvieren wird. Außerdem wurden bereits 100 Lehrlinge aus Mecklenburg-Vorpommern nach Ungarn entsendet. Federführend in der Organisation ist die Deutsch-Ungarische Gesellschaft in Mecklenburg-Vorpommern:

„Ich freue mich über dieses Engagement. Dieses Austauschprogramm hilft beiden Seiten. Für uns besteht die Chance, junge Menschen aus Ungarn für einen Job in Branchen zu begeistern, die ganz massiv vom Arbeits- und Fachkräftemangel bedroht sind. Insbesondere bei Bäckereien und Konditoreien sowie in der Landwirtschaft haben etliche Ungarn in Mecklenburg-Vorpommern mittlerweile Fuß gefasst. Anderseits lernen die jungen Ungarn Dinge, die sie so ohne weiteres in ihrem Heimatbetrieb oder in der Heimatschule nicht hätten erlernen können und knüpfen Kontakte, die sie ihr Leben lang begleiten werden“, erklärt Rehberg, der heute in Berlin 17 Bäcker- und Konditoren-Lehrlinge und Lehrer aus der ungarischen Partnerschule in Nagykörös begrüßte, die in M-V ein Betriebspraktikum absolvieren. Neben dem Gespräch mit Eckhardt Rehberg besuchte die Gruppe in Berlin u.a. den Reichstag und die ungarische Botschaft.

Zur Organisation dieser Praktikantenaustausche arbeiten unterschiedliche Partner aus beiden Ländern eng zusammen. In Ungarn werden die Berufsschüler in ihren Schulen ausgewählt. Sie werden dort auf die Aufenthalte in Mecklenburg-Vorpommern vorbereitet. Die Dauer der Praktika richtet sich nach den Vorgaben der Schulen und variiert zwischen 3 und 11 Wochen.

In Mecklenburg-Vorpommern vermittelt die Deutsch-Ungarische Gesellschaft die aufnehmenden Einrichtungen. Sie arbeitet dabei eng mit verschiedenen Akteuren der beruflichen Bildung zusammen, so mit dem Bäcker und Konditoren Fachverband Nord, mit der Landesinnung der Bäcker und Konditoren, mit der Kreishandwerkerschaft Rostock, Bad Doberan, mit Beruflichen Schulen in Bad Doberan, Rostock und  Güstrow und vielen Unternehmen. Die Praktikanten lernen in Unternehmen der Land- und Forstwirtschaft, im Gartenbau, in der Gastronomie, in Bäckereien und Konditoreien und im Handel. Das Praktikum in Mecklenburg-Vorpommern wird als Teil der Ausbildung in Ungarn anerkannt.

Die Deutsch-Ungarische Gesellschaft in MV entsendet ebenfalls Auszubildende und Ausbilder der Partner des Kooperationsnetzwerkes vor allem nach Ungarn, aber auch in andere Länder. So reisen zum Beispiel Auszubildende des Gastgewerbes nach Szelszárd, um in der Weinlese zu arbeiten, die Weinherstellung kennen zu lernen und unterschiedliche Weine zu verkosten. Die Zusammenarbeit zwischen den Einrichtungen in M-V und Ungarn wächst.

Abschließend unterstrich Rehberg das Erfolgsmodell des dualen Ausbildungssystems: „In Europa orientieren sich mehr und mehr Länder an der dualen Ausbildung, also der Verbindung betrieblicher und schulischer Ausbildung. Deutschland ist hier Vorbild. Eine der Ursachen der gravierenden Jugendarbeitslosigkeit in vielen europäischen Ländern ist das Fehlen eines solchen Systems“, erklärt Rehberg abschließend.

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