Fachgespräch zur Kultur- und Denkmalpflege am 04. Juni im Schloss Retzow

Im Vorfeld des UNECSO-Welterbetages am 7. Juni schlagen der Verein der Schlösser, Guts-und Herrenhäuser Mecklenburg-Vorpommern e.V. und der Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg (CDU) die Prüfung eines Antrages zur Aufnahme der ostelbischen/baltischen Herren- und Gutshäuser in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes vor:

„Unser Land ist geprägt von Herren- und Gutshäusern. Nach Schätzungen gibt es in Mecklenburg-Vorpommern ca. 2200 Schlösser, Guts- und Herrenhäuser. Die Hälfte davon steht unter Denkmalschutz, etwa 300 davon werden touristisch genutzt. Die Herausforderungen sind groß: ca. 400 der denkmalgeschützten Häuser sind stark sanierungsbedürftig und ungefähr 120 sind vom Einsturz gefährdet. In der Vergangenheit haben vor allem private Investoren mit enormen persönlichen und finanziellen Aufwand einige Häuser wieder zu altem Glanz erweckt. Bund und Land reichten Fördermittel aus. Das Land konzentrierte sich allerdings dabei bisher auf die herzoglichen Schlösser und Parks im Landesbesitz. Der Bund versucht über Denkmalschutzprogramme die Sanierungsvorhaben zu unterstützen.

Aber natürlich reichen diese Maßnahmen für die Vielzahl an Objekten nicht aus. Wir brauchen einen neuen Impuls, um auf diese einzigartige kulturelle Vielfalt aufmerksam zu machen. Ein Antrag zur Aufnahme in die Weltkulturerbeliste wäre ein sinnvoller Schritt“, erklärt Eckhardt Rehberg.

Der Vorsitzende des Vereins der Schlösser, Guts-und Herrenhäuser Mecklenburg-Vorpommern e.V., Manfred Achtenhagen, ergänzt:

„Ende des 18. Jahrhunderts war der großflächige Gutsbetrieb das bestimmende Element in der Landschaft der südlichen Ostseeanrainer. Diese bestanden aus dem Herrenhaus, als Mittelpunkt, den verschiedenen Wirtschaftsgebäuden, den Wohnbauten der Gutsleute, der Patronatskirchen und den oft weitläufigen Landschaftsparks. Diese Bauensembles – eingebettet in die großräumige Naturlandschaft – sind bis heute prägend und in Europa einzigartig. Wir finden diese Strukturen aber nicht nur bei uns. Typisch sind diese Elemente  für den ganzen südlichen Ostseeraum, das frühere Ostelbien, einschließlich des Nordens Polens und der baltischen Länder, die den gleichen historischen Hintergrund haben und die gleichen politischen Brüche im letzten Jahrhundert erfuhren. Insofern wäre eine gemeinsame Initiative dieser Länder vorstellbar.“

„Mecklenburg-Vorpommern kann Vorreiter eines solchen Antrages sein und sollte diese Idee im internationalen Dialog mit den betreffenden Ländern erörtern. Das wäre im Übrigen ein starkes politisches Signal zur wirtschaftlichen Entwicklung des ländlichen Raums.  Jedes sanierte und wieder zum Leben erweckte Gutshaus ist ein wichtiger Katalysator für die ehemaligen Gutsdörfer, die wir zu 80 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern vorfinden. Diese Häuser sind in der Regel der größte, meist sogar der einzige Arbeitgeber in den Dörfern. Hier könnte die Anerkennung als Weltkulturerbe dazu beitragen, auch die vielen unsanierten Häuser in den Fokus der Öffentlichkeit zu bringen, Investitionen zu generieren und damit zu einer direkten Wirtschaftsförderung zu werden“, so Eckhardt Rehberg abschließend.

Einladung zum Fachgespräch „Chancen und Herausforderungen des Kultur- und Denkmalschutz in Mecklenburg-Vorpommern“

Zeit: 04. Juni 2015, 13.30 Uhr

Ort: Schloss Retzow, Parkweg 7, 17248 Rechlin, OT Retzow

Teilnehmer (u.a.):

Manfred Achtenhagen, Vorsitzender des Vereines der Schlösser, Guts-und Herrenhäuser Mecklenburg-Vorpommern e.V. und Eigentümer des Gutshaus Ludorf

Eckhardt Rehberg, Mitglied des Deutschen Bundestages und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Haushalt der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Lars Fogh, Investor und Eigentümer der Schlösser Retzow und Ivenack

Torsten Kunert, Investor und Eigentümer des Schlosses Kummerow

Marc Reinhardt, Mitglied des Landtages und kulturpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion  (angefragt)

150526 UNECSO-Welterbetag
150526 UNECSO-Welterbetag
150526_UNECSO-Welterbetag.pdf
143.4 KiB
48 Downloads
Details...