Auf den Unsinn, ich hätte mir nationalsozialistische Propaganda zu eigen gemacht, gehe ich nicht ein. Ich möchte zur Sache und zwar über die historischen Fakten reden: Sie verweisen auf literarischen Leistungen Ilja Ehrenburgs. Dazu sind unterschiedliche Auffassungen, auch der Hinweis auf die literarische Begabung, durchaus möglich. Aber letztendlich relativiert dieser Umstand nicht die historischen Fakten, sondern bestärkt mich sogar in der Forderung nach der Umbenennung des unsäglichen Straßennamens in Rostock-Toitenwinkel. Die Diskussion um Ilja Ehrenburgs Propagandagedichte sowie deren Wirkung auf die Sowjetsoldaten ist unter seriösen Historikern lange entschieden. Ehrenburg war voller Hass auf die Deutschen und hat in unzähligen Artikeln, die in der Prawda, in Soldatenzeitungen und auf Flugblättern sowie über Rundfunkstationen gesendet wurden, zur Vergeltung aufgerufen. Seine rituellen Hassgesänge stachelten die sowjetischen Soldaten an. Nur so sind die überaus brutalen Vergewaltigungen von Millionen deutscher Frauen und Mädchen, die wahllosen Tötungen von Zivilisten, Plünderungen und Brandschatzungen zu erklären. Auch in unserem Land Mecklenburg-Vorpommern gibt es tausende Opfer. Die Städte Neubrandenburg, Anklam, Malchin und Demmin beispielsweise wurden fast komplett niedergebrannt. Auch den Millionen deutscher Zivilisten, die am Ende des Zweiten Weltkrieges und in den Jahren danach zu Opfern wurden, steht es zu, als solche benannt und gewürdigt zu werden. Sie als studierter Historiker sollten das wissen! Wenn nicht, so können Sie diese Geschehnisse nachlesen bei Norman Naimark („Die Russen in Deutschland“), Manfred Zeidler („Kriegsende im Osten“) und Ingo von Münch ("Frau, komm!"). Als Anlage übersende ich Ihnen ausgewählte Seiten aus dem Werk „Kriegsende im Osten. Die Rote Armee und die Besetzung Deutschlands östlich von Oder und Neiße 1944/45“ (1996) von Manfred Zeidler, das den Einfluss der Militärpresse auf das Agieren der Roten Armee am Beispiel Ehrenburgs objektiv darstellt.
Ihre Presseerklärung verdeutlich erneut das typisch einseitige Betrachten von Sachverhalten, historischen Prozessen und eben auch Persönlichkeiten. Es bedarf auch bei Ilja Ehrenburg einer ganzheitlichen Analyse. Das Ausblenden bestimmter Tatsachen ist augenscheinlich auf Ihre ideologische Grundhaltung zurückzuführen, die allerdings nicht dazu taugt, sich konstruktiv an der Diskussion des Straßennamens in Rostock zu beteiligen.
Ich wünsche Ihnen für Ihre weitere politische Arbeit in Zukunft mehr Mut, sich von ideologischen Dogmen lösen zu können und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.
Mit freundlichen Grüßen
Eckhardt Rehberg |